Der Abend des 23. Dezembers. Leise fallen ein paar Schneeflocken, ein Feuer prasselt im Ofen, es gibt ein gemütliches Getränk mit netten Menschen. So sieht unser Vorweihnachtsabend normalerweise aus. Doch nicht dieses Jahr. Weihnachten 2025 haben wir uns entschlossen einen kleinen Traum zu erfüllen und die Feiertage unter Palmen zu verbringen. Die Anreise nach Sizilien hat etwa zwei Tage gedauert. Einen kurzen Zwischenstop zwischen Bologna und Florence, dann ging es in Livorno auf die 22-stündige Fähre. Der schlechte Schlaf hat sich gelohnt, wir kommen bei etwa 18°C an und rollen erstmal gemütlich auf einen Campingplatz in der Nähe von Palermo. Viele Campingmobile gibt es nicht. Ruhe.


Auch der Plan für den 24. Dezember weicht deutlich von unseren üblichen Tätigkeiten ab. Im nächsten Dorf besorgen wir uns noch etwas frisches Brot und eine Flasche Wein, dann machen wir uns zu einer kleinen Fahrrad Ausfahrt auf. Mangels Kreativität in der Routenplanung geht es einfach östlich an der Küste entlang, aber scheinbar braucht es hier keine ausgetüftelte Planung. Die Strecke bietet ein fantastisches Panorama, nur leichte Steigungen und durchaus freundliche Auto und Radfahrer:innen auf der Strecke. „Buon Natale!“


Zurück auf dem Campingplatz treffen wir ein älteres Ehepaar, welches nur mit Fahrrad und Zelt unterwegs ist. Wir sitzen noch lange zusammen und tauschen Reisegeschichten, Anekdoten und Camping Tipps aus. Die beste Inspiration ergibt sich eben oft spontan.

In den folgenden Tagen finden wir schnell unseren ganz eigenen Flow „zwischen den Jahren“. Ohne Termine oder Familientreffen sind wir einfach von Tag zu Tag unterwegs, umrunden die Insel gegen den Uhrzeigersinn und finden immer spontan tolle Stellplätze und Aktivitäten. Es zeigt sich schnell: die Nebensaison ist genau das Richtige für uns.
Wir hören das sich süd-westlich von Palermo eine natürliche Quelle mit angenehmer Badetemperatur befinden soll. Direkt fühlen wir uns an unsere Island-Abenteuer zurück erinnert. Natürlich können wir dieses Erlebnis nicht verpassen. Nach einigen abenteuerlichen Straßen mit nicht-trivialen Engstellen (wie machen das eigentliche große Camper hier?), und einem schlammigen Weg durch einen Fluss, den wir nur Barfuß überwinden können, finden wir die Quelle. Es hat sich definitiv gelohnt. Ein heißes Bad mitten in der Natur.





Unsere Rundreise plätschert so regelrecht gemütlich vor sich hin. Wir genießen einen Cappuchino an der Saline dello Stagnone, bei der Salz abgebaut wird, besuchen die weißen Klippen Scala dei Turchi, in der Morgensonne noch vor allen anderen und mischen uns in Agrigento unter die zahlreichen Bewunderer der uralten Steine.
Den gesuchten „kognitiven Reset“ vom Alltag finden wir überall.
Auch die Gravelräder kommen auf ihre Kosten. Zwar bringt uns unsere unambitionierte Routenplanung doch noch zu ein paar Herausforderungen: Pfützen die tiefer sind als unsere Pedale hoch, Wege die nicht existieren, und Fahrradwege die sich unnötig kompliziert an einer Promenade vorbei schlägeln. Aber das Abenteuer ist ja das Ziel und wir werden mit einer Fahrt über den Sandstrand belohnt. Weitere Fahrrad Highlights, wie Modica, die „City of Chocolate“ oder Craft-Beer mit Pizza in einer Strandbar sind schnell gefunden.

Damit unsere Rundreise nicht doch noch zu aufregend wird, wir suchen ja nach einer entpannten Auszeit, lassen wir uns über Silvester ein paar Tage im Hotel nieder. Von hier aus erkunden wir Syracuse zu Fuß, lassen uns mit einem Silvestermenü bekochen und verbringen einfach mal einen Tag im Spa. Wer hätte das gedacht.
Am ersten Januar stehen wir an der östlichen Küste von Sizilien und werden von einem unübersehbarem Regenbogen im neuen Jahr begrüßt.




Während der gesamten Reise schon, rückt eine Website immer mehr auf meine tägliche Leseliste. Vulkane.net gibt uns fast tägliche Updates zum aktuellen Etna Ausbruch. Wir recherchieren viel um eine mögliche Chance auf flüssige Lava nicht zu verpassen, aber die Prognosen sind zu ungenau und die behördlichen Bestimmungen zu strikt. Wir beschließen daher den klassischen Weg über das „Funivia dell’Etna“ Besucherzentrum zu gehen.
Die Seilbahn geht auf etwa 2000 Höhenmetern los. Im Januar bedeutet das selbst für Sizilien: Schnee. Das Wetter spielt leider so gar nicht mit, und wir werden in der Höhe nicht nur von nassem Schnee sondern auch von einem eiskalten Wind empfangen. Nachdem wir beobachten wie die Seilbahn immer wieder anhalten muss und uns bestätigen lassen das die Sicht am oberen Aussichtspunkt noch schlechter ist, beschließen wir auf das technische Hilfsmittel zu verzichten.
Eigentlich wollten wir daraufhin nur etwas am Vulkan spazieren gehen, aber es kommt anders. Der Fußweg zur oberen Station ist erstaunlich gut begehbar und es stellt sich heraus, das die Strecke gerade einmal vier Kilometer beträgt. Nach ein paar Metern „Erkundungstour“ haben wir bereits ein Drittel hinter uns und der Ehrgeiz setzt ein. Könnten wir das nicht in kürzester Zeit zu Fuß überwinden? Als der Wind etwas nachlässt und uns entgegenkommende Besucher:innen bestätigen das es in der Station oben noch genügend Paninis gibt ist unser Entschluss gefasst.
Etwa 40min später stehen wir am oberen Aussichtspunkt. Zu Sehen gibt es in dem Nebel zwar immer noch nichts, aber zumindest konnte das Panini Versprechen eingelöst werden.
Auf dem Weg nach unten werden wir dann doch noch belohnt. Die Wolken lassen hin und wieder einen Blick über die kleineren Krater und sogar bis nach Catania zu.




Wir verbringen noch eine ruhige Nacht auf einem Agritourismo mit Weltklasse selbstgemachten Croissants, bevor wir die ungemütliche Fähre zurück nehmen.
Ein kleines Abenteuer. Ruhe und Zeit für sich selbst. Nicht mehr und nicht weniger, genau nach was wir gesucht haben.
Frohes 2026!
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