Flucht vor dem Wilden Kaiser

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Den Kopftörlgrat am Wilden Kaiser haben wir schon seit ein paar Wochen im Blick. Leichte, aber sehr lange Gratkletterrei auf den mit 2344m höchsten Gipfel des Kaisergebirges. Abenteuer und Panorama garantiert.

 

 

Nachdem wir die Tour schon einmal aufgrund großer Neuschneemengen verschoben hatten, wollen wir nun endlich ansetzen. Mit dem Auto geht es noch am Freitagabend nach Ellmau. Den Kocher lassen wir diesmal einfach im Tal und stärken uns dafür noch vor dem Aufstieg mit Pizza und Bier.

Erst gegen 22:30 werden die Stirnlampen eingestellt und wir machen uns auf den Weg zur Gruttenhütte. Unser Ausgangspunkt liegt auf knapp 1000m. Der Weg bis zur Hütte ist einfach und schlängelt sich zunächst durch den Wald, bevor er steiniger und steiler wird. Wandern bei Mondlicht hat etwas beruhigendes. Bis auf mehrere Gämsen, die ebenfalls noch unterwegs sind, stört uns niemand.

Die letzten hundert Meter stapfen wir auf gefrorenem Schnee zur Hütte. Wir wissen zwar, das der Winterraum abgeschlossen ist, trotzdem rütteln wir mal an der Tür. Es tut sich nichts.

Also biwakieren wir in der halb offenen Scheune. Es ist bereits kurz nach ein Uhr, bevor wir die Lampen beiseite legen.

Fünf Stunden später krieche ich wieder in Kälte hinaus. Fotos vom Sonnenaufgang fordern immer etwas Überwindung. Basti folgt mir ein paar Minuten später und wir legen die Steigeisen an. Als wir los gehen, bin ich noch ziemlich guter Dinge. Die Schneedecke ist fest und auf dem Firn kommen wir zügig voran.

 

 

Doch schon nach ein paar hundert Metern (noch ca. 300 Höhenmeter sind es bis zum Einstieg) verlässt uns die Euphorie. Die Schneedecke bricht immer öfter und wir müssen uns mühsam durch bis zu hüfthohen Schnee kämpfen.

 

 

Erfahrungsgemäß hat jede Tour einen Tiefpunkt in der Motivation, doch noch vor der eigentlichen Kletterei, das hatten wir noch nicht. Statt einer Stunde Zustieg brauchen wir mehr als die doppelte Zeit, um endlich an kompakten Fels zu gelangen. Außer Atem legen wir die Gurte an und die Steigeisen ab. Endlich klettern.

Die ersten zwei Seillängen bis auf den Kopftörl überwinden wir im Nu. Durch die markante Einstiegsschlucht geht es am ersten Turm vorbei und mehr oder weniger gesichert über eine große Wechte zum zweiten Turm.

 

 

Insgesamt sechs Türme sind es, bis der letzte Aufschwung bis auf 2344m zum Gipfel geht. Noch am laufenden Seil erreiche ich mit ein paar leichten Zügen aber erst einmal den Höhepunkt des zweiten Felsturmes. Sobald ich gesichert auf dem Grat sitze, signalisiere ich Basti, dass er nun nachkommen kann. Wenige Minuten später sitzt er neben mir und einen Moment lang genießen wir die Aussicht aufs Tal und hinein ins Kaisergebirge. Ein genialer Platz.

 

 

Der weitere Weg geht erst einmal wieder nach unten. Ich klettere langsam hinab und verteile auf dem Weg großzügig noch ein paar Klemmkeile. Haken haben wir bisher noch keinen einzigen gesehen.

Es geht an einer Felsnadel vorbei wieder ein Stück nach oben. Nach 50 Metern baue ich an einer Schuppe den nächsten Standplatz. Der vorhergesagte Föhn macht sich nun hier oben bemerkbar. In der nächsten Seillänge hat uns der Schnee zurück. In dem steilen Gelände fällt es mir schwer durch den nassen Tiefschnee nach oben zu gelangen und die paar Meter verlangen mir mehr ab, als alle Seillängen zusammen. Basti ergeht es nicht besser.

 

 

Als wir einen Blick auf die weitere Route werfen sind wir uns unsicher. Es wartet noch mehr Schnee auf uns. Die Route ist von der leichten Kletterei zum Kraftakt geworden. Wir studieren das Topo. Mehr als 5 Stunden haben wir von der Gruttenhütte bis hierher gebraucht. Die Seillängen bis zum Gipfel sind nur schwer absehbar. Ich Blicke über die Felskante nach vorne, noch mehr Pulver. Der Rückweg durch den Tiefschnee zur Gruttenhütte steht uns ja auch noch bevor…

Wir entscheiden uns geschlossen für den Rückzug. Etwas unter uns, erkennt Basti eine Rinne. Ich klettere noch eine Seillänge ab, dann Seilen wir nach unten. Durch unsere beiden 60m Halbseile brauchen wir nur drei Standplätze, bis wir am Fuße des Grats stehen. Auf den letzten 30 Metern finden wir einen Bohrhaken. Den ersten der Route.

 

 

Wie vermutet, ist der angetaute Schnee noch deutlich anstrengender als heute morgen. Die letzten Kilometern bis zum Biwak ziehen sich lange hin. Doch dann ist es geschafft. Die letzte Etappe überwinden wir, auch mit nassen Hosen und Schuhen, zügig.

Es ist 16 Uhr, als wir auf der Terrasse der Wochenbrunner Alm zwei Kaiserschmarrn bestellen. Wir sind uns einig: Wir kommen bald zurück, um den Grat fertig zu klettern.

 


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