Hausberg Innsbruck – die Nordkette via Ferrata

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Zu Zeiten der großen Bergpioniere, begannen große Bergtouren ja fast immer direkt vor der Haustüre. Egal wo diese lag. Mit dem Fahrrad ging es dann gerne (oder aus der Not heraus) auch mal über weite Strecken bis zum Einstieg. Kurz und Hinterstoisser namen beispielsweise 1936 ihre Fahrräder, um von München zum Eiger zu gelangen, für den Zug fehlte ihnen das Geld.

Glücklicherweise haben wir es ja jetzt mit unserem Basislager in Innsbruck nicht mehr ganz so weit zum Berg. Trotzdem oder genauer gesagt, dadurch erst recht, starteten wir unsere Tour zum berühmten Innsbrucker Klettersteig auf der Nordkette im Sattel.

Knapp fünf Kilometer und 250 Höhenmeter sind es von der Innenstadt hinauf auf die Hungerburg. Zwei Wochen zuvor jagten auf dieser Strecke noch die Radprofis bei der UCI Straßenrad WM den Berg hinauf. Wir sind zwar deutlich langsamer, wärmen uns aber dennoch um acht Uhr morgens ganz gut auf.

 

bei weitem nicht so spektakulär wie bei den Pionieren: unsere Anfahrt zur Nordkette

 

Von der Talstation aus, könnte man nun mit der Hungerburgbahn in nur wenigen Minuten bis zum Einstieg des Klettersteigs gelangen. Ganz so einfach machen wir es uns natürlich nicht. Wir sind by fair means unterwegs. Das bedeutet, das wir auf die Unterstützung der Bahn verzichten, ein paar Höhenmeter mehr in Kauf nehmen und das Geld lieber in eine ordentliche Mittagsjause auf der Hütte investieren.

Also geht es direkt auf den Seilbahnsteig, welcher uns ohne große Umwege zur 1000 Meter höher gelegenen Mittelstation bringt.

 

der Seilbahnsteig, der auf ziemlich geradem Weg nach oben führt
erster Kaffeestop auf der Seegrube, die Wolken haben wir bereits unter uns gelassen

 

Neben uns sind noch einige Trailrunner unterwegs, deren Schritt wir jedoch mal nicht mitgehen. Kurz vor der Kaffeepause wird der Weg zwar nochmal richtig steil, doch die Belohnung folgt prompt. Die sogenannte Seegrube spitzt mit ihren 1900 Metern bereits aus dem Nebel heraus. Nach einem schnellen Kaffee geht es weiter. Das Hafelekar auf 2269 Metern ist der Ausgangspunkt des Klettersteiges. Bis zum Einstieg haben wir also bereits fast 2000 Höhenmeter überwunden. Damit uns das nicht zu Kopf oder in die Beine steigt, gibt es in der Karstube erst einmal eine Kaspresssuppn.

 

Blick vom Hafelekar auf Innsbruck
Sarah kommt auch zum Mittagessen vorbei, nimmt jedoch die Abkürzung über die Bahn

 

Trotz gigantischer Aussicht kann ich hier nicht lange sitzen bleiben. Voller Tatendrang geht es nach kurzer Zeit weiter zum Einstieg des Klettersteiges. Der Klettersteig geht direkt hinter der Karstube los und zeichnet sich durch moderate Schwierigkeiten (überwiegend B, teilweise C/D) und vor allem dem langen Grat auf der Nordkette aus. Auf diesem hat man durchgehend Innsbruck im Süden und das Karwendelgebirge im Norden unter sich.

Recht zügig überwinden wir den ersten Teil, auf dem wir bei diesem Wetter bei weitem nicht alleine sind. Orientierungsprobleme gibt es außenamsweise mal gar keine. Wäre auch eine Leistung, der Steig führt immer nur auf dem Grat entlang.

 

Gratwanderung bei Kaiserwetter
Blick ins herbstliche Karwendel nach Norden, im Hintergrund ist die Zugspitze zu sehen
Innsbruck steckt noch im Nebel, im Hintergrund liegt der Alpenhauptkamm

 

Für den ersten Teil des Steiges benötigen wir deutlich weniger Zeit als angegeben. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr, geht es in unserer Euphorie auch gleich noch an den zweiten Teil. Dieser beginnt auf dem nächsten Gipfel, der östlichen Sattelspitze und hat etwas weniger Gradkletterei, dafür jedoch ausgedehnte und teils luftige Felspassagen zu bieten.

Da er auch etwas weiter von der Bahn entfernt ist als der erste Teil, sind wir hier fast alleine unterwegs. Nach einer weiteren knappen Stunde genießen wir nochmal den 360° Premium-Panoramablick auf Tirol und das Karwendel.

 

 

Ein Schluck Cola und ein paar Bissen Schokolade geben uns genug Energie für den anstehenden Abstieg. Von hier aus ist es noch ein gutes Stück bis nach Hause, also geht es ohne weitere Experimente, direkt über den Schmidhubersteig zurück.

So langsam macht sich dann doch die Strecke in den Beinen bemerkbar. Wie cool wäre jetzt ein Gleitschirm…

Die Seegrube hält zum Glück noch ein isotonisches Kaltgetränk für uns bereit. Und wenn wir uns die vollgestopfte Bahn so ansehen, sind wir dann doch recht froh über unseren fast einsamen Wanderpfad ins Tal.

 

die Nordkette im Herbstgewand, nächste Woche soll hier Schnee liegen
letzter Einsatz am Drahsteil für heute
schneller als jeder Bergsteiger, die Einheimischen

 

Die Abfahrt mit dem Radl ist ein Klacks und somit sind wir nach 31 Kilometern Strecke und 2300m vertikal pünktlich zum Abendessen zurück.

Fazit: der Klettersteig ist es absolut wert, begangen zu werden. Vor allem die Herausforderung mit der langen Tour vom Tal aus, hat ihn für uns interessant gemacht. Für das nächste freie Wochenende sehnen wir uns aber dann doch wieder nach einer richtigen alpinen Kletterroute.

 

Bis dahin!


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