Durch die Rubihorn Nordwand

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Nach unserem Erfolg an der Zugspitze vor zwei Wochen, wollten wir unbedingt noch dieses Jahr in eine weitere Nordwand einsteigen. Manchmal klappt es dann eben auch mal mit dem Wetter, und so boten sich am vorletzten Dezemberwochenende noch einmal perfekte Bedingungen an.

Als Ziel haben wir uns die Nordwand des eher unbekannten Rubihorns im Allgäu ausgesucht. Die Anfahrt ist hier nicht ganz so weit und die Wand umfasst nur 400 Höhenmeter, welche wir an einem Tag überwinden wollen.

Anstieg

Bis zum Gipfel sind es trotzdem insgesamt 1080 Höhenmeter. Gegen neun Uhr starten wir mit gepackten Rucksäcken und überwinden die ersten Meter über die Klamm.

 

 

Innerhalb einer Stunde kommen wir an der Abzweigung vom Normalweg in die Nordwand an. Jetzt gilt es aber erst einmal das riesige Schotter- und Geröllfeld zu überwinden, welches ein Felssturz von 1987 verursacht hat. Mühsam kämpfen wir uns Richtung Wandfuß, wo wir auch gleich von ein paar herabfallenden Steinen begrüßt werden. Helm aufsetzen! Das steile Schneefeld ist etwas einfacher zu begehen, endlich kommen wir an der höchsten Stelle des Geröllfeldes in einem Kessel an, welcher den Ausgangspunkt der Kletterroute markiert.

 

 

Kletterroute durch die Nordwand

Mit Vergnügen befreie ich meinen Rucksack vom schweren Seil und wir binden uns ein. Nachdem mir vor zwei Wochen der Vorstieg zustand, legte dieses Mal Felix los und überwand gleich beim Einstieg ein paar Stellen im Grad IV-.

Der Kalkstein lässt sich gut klettern, auch wenn er ziemlich brüchig ist. Immer wieder halten wir den Griff unserer Wahl lose in den Händen und legen ihn anschließend vorsichtig bei Seite.

Ehe wir uns versehen, stehen wir bereits am zweiten Standplatz.

 

 

In der nächsten Seillänge, für welche wir fast das komplette 60m Seil benötigen überwinden wir eine knifflige Stelle mit einigen Platten und schmalen Tritten.

 

In der dritten Seillänge übernehme ich dann den Vorstieg. Mit leichten Orientierungsschwierigkeiten und wenig Möglichkeiten zur Zwischensicherung, bahne ich mir den Weg durch das Gelände im zweiten bis dritten Grad. Noch ein Standplatz, die Stimmung ist sehr gut. Wir schätzen das die Hälfte der Wand bereits hinter uns liegt und bis auf eine weitere IV- Stelle, sollten keine größeren Probleme mehr auf uns zukommen. In der nächsten Seillänge finden wir das Wandbuch, in das Felix uns natürlich sofort begeistert einträgt.

 

Dem Himmel nah, der Arbeit fern, so ham‘ wir das Leben gern! – Toby, Baschdl, Felix 17.12.2016

 

Schon jetzt gefällt uns die Route ausgesprochen gut. Der Ausblick tut sein übriges, für einen perfekten Samstag.

 

 

Ausstieg und Eisklettern

Kurz nach dem Wandbuch finden wir auch schon den Ausstieg aus der Kletterroute. Laut Kletterführer gibt es nun zahlreiche Möglichkeiten. Da wir von dem Eisfall zu unserer linken beeindruckt sind und jeweils Eisgeräte dabei haben, entscheiden wir uns für diesen Weg. Das Eis ist etwas spröde, gibt den Hauen und Steigeisen jedoch ausreichend Halt. Auch der nachfolgende Schnee ist angefroren und lässt uns schnell voran kommen.

 

 

Einige Sicherungen legen wir trotzdem noch, denn das Gelände ist zwischendurch immer noch 60-70° geneigt. Doch ganz so einfach präsentiert sich uns das Rubihorn dann doch nicht. Als wir immer weiter aufsteigen, merken wir nicht, das wir zu weit rechts gehen. Als wir den Fehler bemerken sind wir bereits kurz unter dem letzten Aufschwung und der Quergang erscheint uns zu schwierig. Wir entscheiden also über einen großen, ca. 5m hohen Riss zum Grat aufzusteigen.

Als ich dort ankomme und die beiden anderen am Seil nachhole, sehen wir noch die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Berg verschwinden.

 

 

Gipfelsturm

Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, bevor uns die Dunkelheit die Wegsuche deutlich erschwert. Wir machen uns also zügig auf, um teils auf dem Grat, teils knapp unterhalb die letzten 100 Höhenmeter zurück zu legen. Erste Zweifel kommen auf. Führt dieser Weg überhaupt zum Gipfel? Zwei Seillängen später dann die Erleichterung, das Gipfelkreuz zeigt sich direkt über uns. Da wir seit dem Grat keinen Standplatz mehr gebaut hatten, gehen mir nun die Sicherungen aus. Mit den letzten zwei Expressen erreiche ich nach 5,5h in der Nordwand den Gipfel. Schnell hole ich die beiden anderen nach. Felix, der als letzter das ganze Material wieder einsammeln musste, kommt wie ein überfüllter Weihnachtsbaum mit Schlingen, Expressen und Keilen behangen oben an.

Die Freude war groß und bei einbrechender Dunkelheit stoßen wir auf das Rubihorn, und eine weitere Nordwand in einer tollen Seilschaft an.

 

 

Den Abstieg bewältigen wir mit Stirnlampen über den Normalweg in knapp unter zwei Stunden, bevor es endlich raus aus den Bergschuhen geht.


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