Mosoraski – Die erste eigene Mehrseillänge

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Nach einiger Zeit in Kletterhallen erscheinen die dortigen Routen doch vergleichsweise kurz. Bei Chris und mir war es nach ca. einem Jahr soweit. Wir wollten raus an den echten Fels und wir wollten hoch. Inspiriert von zahlreichen Bildern, Videos und Artikeln von hohen Steilwänden, reizte es uns umso mehr, das Gefühl an ein paar Karabinern und ein paar Bandschlingen mehrere hundert Meter über dem Boden zu hängen, am eigenen Leib zu erfahren.

Wegen der perfekten Lage zwischen Meer und bis zu 350m hohen Felsen ging es für uns eine Woche lang zum Klettern nach Paklenica, Kroatien.

Unser großes Ziel sollte die Wand „Anica Kuk“ sein. Eine beeindruckende 350m hohe Felswand, in der sich über 100 Routen befinden. Darunter ist auch die Route Mosoraski, ein absoluter Klassiker in Paklenica, der uns mit dem maximalen Schwierigkeitsgrad VI+ (UIAA) erst einmal machbar erschien.

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Anica Kuk, der größte und markanteste Felsen Paklenicas

Los ging es am Samstagabend und nach einer langen Autofahrt fanden wir uns zum Sonnenaufgang an der wunderschönen kroatischen Küste in Starigrad, Paklenica wieder. Nachdem wir am Vormittag noch versuchten die ein oder andere Stunde Schlaf nachzuholen, konnten wir es gegen Mittag gar nicht erwarten an den Fels zu kommen. Mit dem Auto ging es in gerade einmal fünf Minuten zum Parkeingang und nach weiteren zehn Minuten Fußweg standen wir auch schon mitten in der Hauptschlucht.  Der Nachmittag verging mit den ersten „single pitches“ im Nu.

Routen: Wiener Würstchen (V+, 13m), Auhe (VI-, 13m) und Celulit (VI, 35m)

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Aufwärmen mit einigen „single pitches“

Kaminklettern

Erklärtes Ziel des zweiten Tages war es dann, die erste Mehrseillänge zu klettern. Um sich langsam heran zu Tasten, haben wir uns die 150m lange „Nosorog“ heraus gesucht, die über einen vergleichsweise einfachen Grat auf den Gipfel führt. Noch nicht die Steilwand die wir uns vorgestellt haben aber soweit so gut. Der Schwierigkeitsgrad war kein Problem, problematisch ist jedoch die hohe Anzahl der verschiedenen Routen die im Fels existieren. Schnell ist der falsche Bohrhaken anvisiert und man landet in der parallel verlaufenden Route. Aber nachdem wir uns ein paar mal neu orientiert hatten fanden wir auch unseren verlorenen Standplatz wieder. Der Anfang wäre gemacht.

Route: Nosorog (V, 150m)

Als Seilschaft waren wir jetzt bereits ziemlich gut eingespielt und die Aufgaben waren klar. Um unsere große Route zu schaffen mussten wir nun noch den Schwierigkeitsgrad etwas erhöhen. Am dritten Tag sollte es also auf den „Stub“ gehen, einen Pfeiler nahe der großen „Anica Kuk“ Wand. Auch wenn wir bis dato guter Dinge waren unser Ziel zu erreichen, kamen uns nun an einigen Stellen erste Zweifel auf. Mehrere Meter glatten Fels und ein ausgesetzter Riss ließen mich als Vorsteiger ganz schön schwitzen. Die pralle Sonne tat dann den Rest. Der Schlüssel zur Route waren letztendlich einige mitgebrachte Klemmkeile, mit denen einige zusätzliche Zwischensicherungen gelegt werden konnten. Die Zweifel ließen sich mit dieser fragwürdigen Sicherung schließlich überwinden, um über die kniffligen Stellen hinweg zu kommen. Über fünf Stunden benötigten wir für die gerade einmal vier Seillängen.

Route: Karabore (VI, 120m)

Gipfelsieg an der Karabore

Zurück am Campingplatz angekommen lernten wir dann Mickey und Andy kennen. Mickey ist Engländer und lebt aktuell in Australien, Andy ist Engländer. Beide sind gut befreundet und reisen aktuell zum Klettern durch Europa. Von ihnen gab es noch ein paar gute Tipps für unsere Tour. Außerdem ließen wir gemeinsam den Klettertag ausklingen.

Am Tag vor unserer langen Tour gönnten wir uns dann erst einmal eine Pause. Das war auch der Winnetou Party geschuldet die gleich neben unserem Zeltplatz stattfand und etwas länger in die Morgenstunden andauerte. Nach dem Ausschlafen machten wir uns auf ins 45km entfernt gelegene Zadar. Die Altstadt von Zadar bietet ein wunderbares Ambiente und mit Erkunden, Fotografieren und gutem Essen ließ es sich gut aushalten.

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Am Donnerstag ging um sieben Uhr der Wecker. Um nicht mitten in der knallenden Sonne klettern zu müssen, wollten wir unbedingt den Vormittag nutzen, bei dem die Wand im Schatten lag. Eine Stunde später fanden wir uns am Eingang des Nationalparks wieder und nach 40 Minuten Fußweg standen wir endlich am Fuße der 350m hohen Felswand.

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Neben der Klettertechnik auf die wir uns gut vorbereitet hatten ist jedoch die mentale Herausforderung nicht zu unterschätzen. Vor allem die letzten Stunden vor dem Einstieg waren wir fast ausschließlich auf die Wand fokussiert. „Haben wir genug Ausrüstung dabei?“, „Schaffen wir die Schlüsselstelle?“, „Gibt es im Notfall eine passende Stelle zum Abseilen?“, „Ist der Fels durch die bekannte Route abgespeckt oder immer noch griffig?“.
Doch zum Glück ist man dann während der Kletterei wieder auf genug andere Dinge konzentriert um sich allzu viele Gedanken zu machen.

Die ersten vier Seillängen stiegen wir im Wechsel vor. Einen kurzen Nieselregen konnten wir zum Glück unter einem Vorsprung abwarten, doch in der dritten Seillänge bog Chris erst einmal zum falschen Standplatz ab. Wir bemerkten den Fehler rechtzeitig und kamen so wieder auf die richtige Route, welche uns nach der vierten und sehr kurzen fünften Seillänge zur Schlüsselstelle brachte.

Glücklicherweise sah diese zunächst weniger bedrohlich aus als wir uns vorgestellt hatten. Mir fiel die Ehre zu, uns den markanten Riss vorzusteigen. Auch wenn die Route weniger abgespeckt war als erwartet, hatte es die VI+ in sich und Chris hörte es über sich mehrmals fluchen bevor nach einigem Klemmen und Pressen gegen den Fels endlich der Standplatz erreicht wurde. Im ersten Moment war ich nur froh diese Stelle nun nicht (wie Chris) mit dem Rucksack nachsteigen zu müssen.

Doch wie sich herausstellte fiel es Chris leichter als gedacht und insgeheim feierten wir am vorletzten Stand schon unseren Sieg. Die letzten beiden Seillängen (V und V+) brachten wir im Nu hinter uns und fanden uns nach insgesamt ca. sechs Stunden auf dem 712m hohen Gipfel wieder. Was für ein Gefühl.

Route: Mosoraski (VI+, 350m)

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Nachdem der Abstieg über den Normalweg noch einmal ca. zwei Stunden in Anspruch nahm fiel das Abendprogramm an diesem Tag entsprechend kurz aus.

Die letzten beiden Tage verbrachten wir damit noch einmal die Route Nosorog zu dritt zu klettern und die Tropfsteinhöhle „Manita Pec“ zu besichtigen. Am Samstagnachmittag wurden die Zelte wieder eingepackt und mit einer riesen Menge Erinnerungen und neuen Erfahrungen ging es auf den Heimweg.

Das wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein.

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